![Das Foto zeigt die grau gehaltene Spielschachtel von Anachrony hochkant stehend. Auf dieser steht zentriert geschrieben:
DÁVID TURCZI
mit
VIKTOR PETER & RICHARD AMANN
[Dreieck-Symbol des Spiels]
ANACHRONY
GRUNDSPIEL
[Verlagslogo]
Mindclash
Games
Vor der Spielschachtel sind vier unterschiedliche, bemalte Mech-Miniaturen aufgestellt, die sich farblich deutlich von der Spielschachtel abheben. Von links nach rechts sind die Hauptfarben der Miniaturen rot, grün, blau und gelb.](http://spielegourmets.de/wp-content/uploads/2025/02/2025_02_Anachrony_Panorama-684x1024.jpeg)
Stell dir vor, du könntest in der Zukunft anrufen. Dort in der Zukunft nimmt dein Zukunfts-Ich den Anruf entgegen. Ihr plaudert kurz und kommt dann zur Sache. Dein Gegenwarts-Ich bestellt bei deinem Zukunfts-Ich ein paar Sachen, die es jetzt gerade dringlich braucht. Und dein Zukunfts-Ich schickt die Sachen direkt in deine Gegenwart. Ein paar Jahre später bekommst du dann plötzlich einen Anruf. An der Strippe ist dein Vergangenheits-Ich. Ihr plaudert kurz und kommt dann zur Sache. Dein Vergangenheits-Ich bestellt ein paar Sachen, die es dringlich braucht. Und du packst alles ein und schickst es in die Vergangenheit. Der Kreis ist geschlossen. Die Paradoxie ist gebannt.
Und jetzt stell dir vor, du könntest ein Spiel spielen, bei dem genau dieses hin und her zwischen den Zeiten zur Kernmechanik gehört. Wie cool wäre das denn? Keine Frage: Das wäre extrem cool! Und damit sind wir bei Anachrony von David Turczi. Ein herausragendes Eurogame mit Worker Placement, Engine Building und Zeitreisemechanik. Wir spielen in einer fernen, dramatischen Zukunft: Ein riesiger Asteroid rast auf die Erde zu und wird alles Leben vernichten. Die Spieler*innen arbeiten fieberhaft darauf hin, möglichst viele Menschen zu evakuieren.
Auf einem geteilten Spielbrett befinden sich die zentralen Aktionen, um die es einen permanenten Konkurrenzkampf gibt und für die man Arbeiter*innen in kostbaren Weltraumanzüge einsetzen muss. Gleichzeitig baut man seinen eigenen Spielerbereich mit verschiedenen Gebäuden aus, deren Aktionen einem niemand streitig machen kann. Auch die Exosuits braucht man hier nicht. Und zu guter Letzt reist man auf der Epochenleiste in die Vergangenheit, um Paradoxien und Anomalien zu vermeiden. Ein großer Pluspunkt ist die enge Verzahnung aller drei Bereiche, so dass das alle Entscheidungen ineinandergreifen und nicht einfach nur separate Minigames gespielt werden. Sehr befriedigend ist die Entwicklung des eigenen Bereichs, wo man darauf aus ist, ein effizient zusammenspielendes Gebäudeensemble aufzubauen.
Asymmetrische Fraktionen („Pfade“), die nicht nur mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet sind, sondern auch individuelle Siegpunktbedingungen und Modifikationen einzelner Spielmechaniken mit sich bringen, sind ein weiteres dickes Ausrufezeichen für nachhaltigen und herausfordernden Spielspaß. Die mechanische Vielfalt ist fein austariert, so dass das Spiel erstaunlich leichtgängig daherkommt. – Und dann gibt es auch noch Miniaturen. (Ok, das ist optional, aber für uns ein echter Gewinn.)
Neben den Miniaturen, die als Erweiterung angeboten werden, allerdings ausschließlich ästhetisch aufwerten, empfiehlt sich die Risse der Zeit-Erweiterung. Risse der Zeit ist eine sehr organische Weiterentwicklung des ohnehin schon großartigen Grundspiels, durch die exakt die Sachen adressiert werden, die beim Grundspiel noch nicht 100% gesessen haben (Forschen und Wissenschaftlerinnen) – so dass spätestens jetzt wirklich alles aufs Beste funktioniert und tonnenweise Freude bereitet. Durch die neue Aktion Blinzeln und die damit zusammenhängenden neuen Elemente gewinnt das Spiel noch zusätzlich an Dynamik und interessanten Entscheidungssituationen. Risse der Zeit hebt das ohnehin schon grandiose Grundspiel endgültig in den Spieleolymp.

Bewertungsgrundlage: Einige Partien
Bewertungen der Spielegourmets:
- Median: 9,0
- Arithmetisches Mittel: 8,7